Presse

Neu-Ulmer Zeitung, 10.03.21

Liedermacher Raphael Steber: Songs mit Melancholie, Feingefühl und Glaube

 

Wie ein Schimmer Blau am Himmel, nach dem harten Wolkenbruch. Wie ein Splitter Zuversicht in den Scherben. Dur auf Moll. Der Wendepunkt. Solche Momente blitzen immer wieder auf, in Raphael Stebers Liedern. Er ist ein Theologe, ein Sinnsucher und seit Kurzem: ein Liedermacher, der sein Debütalbum veröffentlicht hat. Sein erstes Album als Singer-Songwriter heißt „Weitergehen“. 15 Stücke, die Poesie und Melancholie in sich tragen, starke Akkorde und Mutmachertexte, mit feinen Antennen für Schattierungen des Lebens. Und immer scheint der Glaube an die Hoffnung durch.

 

Raphael Steber veröffentlicht sein Debüt als Liedermacher

 

„In meiner Jugend war ich immer auf der Suche im Leben“, erzählt Raphael Steber. „Ich bin schon viele Wege gegangen, habe Neuanfänge erlebt.“ Das merkt man seinen Songs auch an. „Weitergehen“ ist der Titelsong und ein gutes Beispiel für Stebers Pop-Philosophie. „Du verlierst das Gleichgewicht, dein Sonnenaufgang im Niemandsland, gute Geister nicht in Sicht“, diese Zeilen singt er über einem lockeren Pop-Sound-Teppich mit Gitarrengrundierung. Das Fazit des Songs steckt dann aber im Refrain: „Du musst nur eins verstehen, du musst immer weitergehen.“ Die Harmonien zur Melodie wählt Steber nicht nach Schema F und verpackt sie nicht in gebrauchsüblichen Endlosschleifen. Mut zum schrägen Ton im richtigen Moment, auch das steckt in seinen Songs. „Ich bin Theologe, ich will Mut machen“, sagt Steber.

 1983 wurde er bei Mindelheim geboren. Schon als Kind kamen ihm kleine Songeinfälle, er lernte Klavier und bald Saxofon. Aber es dauerte, bis das richtige Instrument für seine Liederideen mit etwas Glück in seinen Händen landete: Mit 21 Jahren lernte Steber Gitarre – selbstständig, auf eigene Faust. Sein Bruder, „Gix“ genannt, formte zu den Texten und Melodien seines Bruders zuerst noch die Musik. Gemeinsam traten sie als Jazz-Duo auf. Heute kreiert Steber seine Songs sehr eigenständig. Die Gitarrenstimme hat er für die Albumtitel selbst eingespielt, dazu mischt er leichte elektronische Einflüsse, sanftes Schlagzeug, Effekte wie Glockenspiel und die Mundharmonika – selbst gespielt.

Dass es doch lang gedauert hat, bis zu seinem Albumdebüt, findet Steber heute selbst „unerklärlich“. Jahre verbrachte er in Augsburg und Rom, im Studium der Theologie – eigene Lieder schrieb er nicht mehr. Doch dann kam der Tag: Er arbeitete inzwischen in einer Kirchengemeinde in Neu-Ulm, in einer verantwortungsvollen Position. Als er dort dann ein Benefizkonzert für die Flüchtlingshilfe gab, da flammte wieder etwas auf. „Ich habe gemerkt: Das macht was mit mir, das macht etwas mit dem Publikum.“

  

Raphael Stebers Musik hat Einflüsse von Sting und Grönemeyer

 

Das Saxofon, sein Hauptinstrument, und den Jazz, der dazu gehört, diese Seite hört man Stebers neuen Liedern nicht an. Dann schon eher die musikalischen Einflüsse, die er selbst aufzählt: Sting zum Beispiel, und sicher liegt da eine Ahnung von Grönemeyer in den Texten. Der Song „Federico“ erzählt eine klassische Liedermacher-Geschichte: Ein Clown lebt im Zwiespalt, lachendes Auge, weinendes Auge. Und im Video auf Stebers Youtube-Kanal setzt sich der Sänger dazu die rote Nase auf. „Komisch, tollpatschig, wunderbar“ ist Federico.

 

Lieder mit Witz und Ironie hat Steber auch im Repertoire – über den verständlichen Ekel vor Spinat, oder über kleine Fischlein, die schnell erwachsen werden wollen. Ein Hit seien diese Songs gewesen, sagt Steber - auf jeden Fall bei den Kleinen im heimischen Kindergarten.

 

Raphael Steber schreibt Songs zwischen Melancholie und Hoffnung

 

„Manche vermissen diese leichte Seite meiner Musik jetzt vielleicht. Aber diese neuen Songs wollten geschrieben werden. Die mussten raus“, sagt er. Bald möchte er, sobald das wieder möglich ist, seine Musik ungefiltert und direkt der Welt präsentieren, vielleicht auch zuerst bei kleinen Club- oder Wohnzimmerkonzerten. Ganz persönlich.

 

„Irgendwo daneben“ heißt ein Songtitel und Steber meint dabei das Glück des Lebens, das an manchen Menschen ohne Erbarmen einfach vorbeizieht. Oder ihnen sogar mit Gewalt entrissen wird. Steber erklärt: „Als ich am 9. November 2019 an einer Gedenkfeier zur Reichspogromnacht vor der Ulmer Synagoge teilnahm, entstand die Idee zu diesem Lied.“ Es ist das traurigste Lied auf dem Album.

 „Während meines Theologiestudiums habe ich mich vertieft mit Edith Stein beschäftigt, die aufgrund ihrer jüdischen Herkunft in Auschwitz getötet wurde“, sagt Steber. Die unzähligen jüdischen Schicksale hätten ihn schlicht fassungslos gemacht. Das Titelbild zum Youtube-Video für den Songs, ein Stück Stacheldraht, hat er selbst einmal in Auschwitz fotografiert. „Das alles darf nie wieder passieren“, heißt eine der letzten Zeilen des Liedes. Ein klares „Nie wieder“.

 

Raphael Steber über die Kraft der Melancholie

 

Steber sagt: „Melancholie ist oft auch etwas Schönes, Kreatives.“ Aber ist unserer Zeit das Glück doch ein wenig abhandengekommen? Der Glaube daran, dass es besser wird – was immer „es“ auch ist? „Manche Kirchengemeinden stellen jetzt auch Klagemauern auf. Und manchmal ist das notwendig, seine Sorgen auszudrücken, zu formulieren“, erzählt der Liedermacher. „Ich bin heute jedenfalls glücklicher und zufriedener als noch vor zehn Jahren.“

 

Folk News, 27.01.21

 

"Textlich befasst sich die Platte mit fast allen Facetten des Lebens. Steber ist dabei aber kein Schwarzmaler oder Zyniker, nein, der Musiker ist weit ab von Pessimismus. Zwar setzt er sich auch durchaus ernst und kritisch mit dem Leben auseinander, tut dies aber stets mit einem hoffnungsvollen und positivem Ton, sowie Perspektive. Manchmal tut er dies in Liedermacher-Manier, aber des Öfteren lassen sich die ein oder anderen Stücke gewiss in Richtung Musikkabarett einordnen. Musikalisch bewegt er sich meist zwischen Liedermacher und Pop, aber dies doch meist mit sehr jazzigen Gewand. Abwechslungsreich ist es jedenfalls. So erklingt hier  und da mal ein minimalistisches Piano-Motiv, oder ein Saxofon und auch eine Mundharmonika wie in ,,Tonis Reise‘‘ kommt zum Einsatz. So bewegt sich das Album zwischen eher poppigen Songs und Balladen, die zum Träumen einladen. Verabschiedet wird der Hörer mit dem Titel ,,Wenn die kleinen Fische‘‘ einem Stück, das einer Gute Nacht Geschichte nah kommt. Wie auch in seinen anderen Texten werden auch hier philosophische Fragen gestellt, dieses Mal leicht und niedlich. ,,Weitergehen‘‘ erzählt von vielen Erlebnissen, Eindrücken, Erfahrungen und Wünschen. Schlichtweg Geschichten aus dem Leben mit konstant positiver Mentalität, die Steber gut mit Worten wiederzugeben weiß und ihnen dabei seinen ganz eigenen Klang gibt. Ein Klang, der noch einige Zeit nach dem Ende der Platte im Ohr bleibt."

 

Musikzirkus Magazin, 30.12.20

 

"(...) Die spärliche, aber sehr akzentuiert gesetzte Instrumentierung im Song „Glücklich“ sorgt für Gänsehaut. Ein Song in den man sich fallen lassen kann. In „Federico“ besingt Raphael dann den traurigen Clown. Die Musik ist allerdings recht fröhlich und besitzt einen karibischen Rhythmus. Wieder so ein eingängiger Popsong, der aber - wie alle anderen Stücke auch - minimalistisch instrumentiert wurde. Aber genau das macht das Flair von Raphaels Musik aus. Jazzige Gitarrenpassagen sind dann in „Ich mag“ zu hören, bei dem Raphael in einen Sprechgesang verfällt. In dem Song „Tonis Reise“ sowie in „Im Herbstgewand“ baut Raphael dann eine Saxophonpassage ein, die sehr gut zur Stimmung dieser wunderbaren Songs passt. Das 5:30minütige „Weit“ ist dann ein atmosphärischer Popsong mit herrlichen Keyboardharmonien.

 

„Weitergehen“ von Raphael Steber ist ein sehr schönes Album mit ruhigen, minimalistisch instrumentierten Songs. Neben den Texten legt Raphael immer auch Wert auf die Melodien, die oft schnell ins Ohr gehen. So finden sich dann auch einige sehr schöne Popsongs auf dem Album. Ein klasse Debüt."

 

Mindelheimer Zeitung, 27.11.20

Du musst dein eigener Kompass sein

 

"Sein Album "Weitergehen" ist ein Erstlingswerk, eine Premiere. Dafür hat Raphael Steber während der vergangenen Monate fünfzehn seiner selbst geschriebenen Lieder aufgenommen. Er singt und spielt Gitarre, Saxophon, Mundharmonika, Keyboard und Schlagzeug (...). Im Alter von 21 Jahren entdeckte er "sein" Instrument - die Gitarre und erlernte sie autodidaktisch. Seine Ära als Liedermacher festigte sich. Viele seiner ersten Lieder entpuppten sich als "Kinderlieder". In heimischen Kindergartengruppen wurden sie "rauf und runter" gesungen. Doch die meisten seiner Lieder sind melancholisch und nachdenklich. Andere verleiten zum Schmunzeln."

 

 

Diözese Rottenburg Stuttgart, Kultur, 20.11.20

Es muss weitergehen

 

"Kleine Geschichten aus dem Leben und von der Suche nach Glück erzählt der Liedermacher aus Ulm. Raphael Steber schreibt zwar gern melancholische Texte, vertraut aber fest darauf, dass schon alles gut werden wird. Mit seinem Erstlingswerk „Weitergehen“ will er Mut machen, niemals die Hoffnung aufzugeben. Er singt davon, wie wenig manchmal reicht, um glücklich zu sein, weiß aber auch darum, dass mancher Traum zerplatzt - wie der des Clowns Federico, unter dessen Maske es kalt und leer ist. Steber verarbeitet eigene Umwege und Neuanfänge und kleidet seinen Appell, das Leben trotz allem nicht zu schwer zu nehmen, in eine Hommage an einen Reisebusfahrer."

 

 

Südwestpresse, 19.11.20

Liedermacher und Seelsorger

 

"Für "Weitergehen" nahm er seine 15 schönsten Lieder auf. Alle erzählen kleine Geschichten und gehen ins Ohr. Das Statement des Titelsongs, nach vorne zu schauen, sei aktuell ein passendes Motto; nicht nur für Künstler."

 

 

Nürtinger Zeitung, 26.10.20

Bericht über den Auftritt bei der Nürtinger Orgelnacht mit Harald Schmidt und Andreas Merkelbach

 

"Der Theologe Raphael Steber begleitete virtuos mit seinem Saxofon das Orgelspiel von Andreas Merkelbach. Gegenseitig trugen sie sich in neue Höhen, schlugen mal bedrückende Töne, dann wieder erhebende an, ließen klassische Melodien wie „Der Mond ist aufgegangen“ und auch Jazzfragmente in ihre Improvisationen einfließen. So entwickelte ihre musikalische Darbietung im Zusammenspiel mit der Akustik und der imposanten Ausstrahlung des Kirchensaales eine ganz besondere Stimmung, die von den Zuschauern mit minutenlangen stehenden Ovationen belohnt wurde."

 

 

Teckbote, 07.10.19

Mit leisen Liedern nach dem Glück suchen

  

"Seine Texte sind nachdenklich und trotzdem eingängig. Er zeichnet farbige und stimmige Bilder mit eingängigen Melodien und begleitet sich kunstvoll und abwechslungsreich auf den beiden abwechselnd gespielten Gitarren. Auf Nylonsaiten weich gezupft kommen die Lieder im Latin-Gewand daher, auf Stahlsaiten klingt der Sound flirrender und rhythmisch ausgeprägter, rockig und mehr nach Popsong (...). Mit die stärksten Lieder sind geprägt von surreal-märchenhaften Texten. Zum Beispiel im „Gute-Nacht-Lied“, in dem die Fischmutter die naiv-tiefgründigen Fragen der Fischkinder stets beantwortet: „Wenn die kleinen Fische schlafen gehen, kommt die Welt ins Reine“. Nicht weniger skurril und poetisch das Lied vom „Dieb unter der Dusche“, das von allnächtlichen Besuchen ungewöhnlicher Art berichtet (...). Über den Abend stellt sich das Gefühl einer ausgeprägt positiv-fürsorglichen Grundhaltung ein. Kein Wunder, denn der Singer/ Songwriter, der vor Kurzem von Nürtingen nach Ulm umgezogen ist, ist auch als Theologe seelsorgerisch tätig."